Cheri unser Kromfohrländer-Mädchen

25. Januar 2012


als Baldi, unser Mischlingshund, mit 17 Jahren gestorben war, wollte mein Mann keinen Hund mehr. Ich dagegen schon, und der Sohn auch.
Mit Baldi war es nicht leicht gewesen. Das könnt Ihr hier nachlesen. Was da beschrieben ist, das sind längst nicht alle seine Eskapaden.

Wie gesagt, nach seinem Tod war ich wieder auf der Suche nach einem Hund. Nun natürlich, wegen der Erfahrung der letzten Jahre, sollte es ein Rassehund sein. Der Grund dafür war, dass wir sicher sein wollten, dass der neue Hund kein Jäger ist. Endlich sollte es möglich werden, mit dem Hund ohne Leine spazieren zu gehen, ohne dass er auf und davon war. Das war DER Traum. Ein Hund, der seinem Menschen folgt, gerne auch wie ein Schatten.

Viele Rassebeschreibungen habe ich gelesen. Es gab so einige Hunderassen, mit denen ich es gerne versucht hätte. Wir konnten aber nur einen Hund nehmen, weshalb eine Entscheidung getroffen werden musste. Außer dem nicht vorhandenen Jagdtrieb sollte der Hund auch noch mehr Eigenschaften besitzen, die sich im Zusammenleben angenehm auswirken. Er sollte z. B. treppengängig sein, nicht zu groß. Bei Baldi hatte ich die Erfahrung gemacht, dass ein kranker Hund oftmals gehoben werden muss. Sei es beim Tierarzt oder sei es vor dem Autofahren. Von einem sehr kleinen Hund hätte ich meine Männer nicht überzeugen können. Aus diesen Gründen war das Ziel der Recherche in der Literatur ein Hund der nicht jagt, mittelgroß ist, anpassungsfähig ist und nicht allzu schwierig in der Erziehung. Außerdem sollte er keinen 40-Kilometer-Auslauf an jedem Tag erwarten. Es war von Anfang an kein Thema, dass er lange allein gelassen würde. Es war fast ständig jemand von der Familie im Haus. Wo ist ein solcher Familienhund zu finden? Heute ist es leicht. Man geht ins Internet. Im Grunde bin ich sehr froh, dass die Nutzung des Internets damals (1997) in ländlichen Gegenden noch nicht so selbstverständlich war. Vielleicht hätten wir dann unsere Traumrasse nicht gefunden.

Ein kleines Büchlein. „Der Kromfohrländer“ fiel mir in die Hände.
Da war es geschehen. Ein Kromfohrländer sollte es sein.
Doch nun? In dem Buch steht, dass der Kromfohrländer eine kleine Rasse sei, was auch heute noch stimmt.

Über das Anschriftenverzeichnis fand ich nach mehreren Telefonaten eine Züchterin in der Eifel, genauer gesagt in Kyllburg. Sie gab die Auskunft, dass ihe Welpen, neun an der Zahl, alle vergeben seien. Unverdrossen machte ich trotzdem einen Termin und besuchte das Welpenrudel in Begleitung meiner Schwester. Endlich stand ich meiner zukünftigen Traum-Hunderasse vis-a-vis. Die Züchterin des Zwingers vom Korlesbach besaß zwei eigene Kromfohrländeründinnen, die, wie es bei den Kromfohrländern üblich ist, in der Wohnung wohnten. Die eine Hündin war Mutter geworden. Natürlich liefen die Welpen ebenfalls in der Wohnung umher.

Die Wirkung von Hundewelpen möchte ich an dieser Stelle nicht näher beschreiben. Unverdrossen schrieb ich der Züchterin meine Adresse mit Telefonnummer auf. Das hatte ein Ziel, nämlich, bei neun Welpen könnte ein Interessent zurücktreten, so meine Überlegung. Ich verließ die Züchterin mit der für Züchterinnen sicherlich beruhigenden Zusage: „Wenn ein Interessent zurücktritt, dann nehme ich den Hund. Egal, welcher von den neun Welpen es ist.“ Und wirklich, es dauerte nicht lange, da rief die Züchterin an, der Interessent der Carina sei zurückgetreten. „Hallo ehemaliger Interessent: Du hast einen sehr wichtigen und tollen Abschnitt in Deinem Leben einfach verpasst.“

Das war´s. Die Familie musste nun mitfahren, um den neuen Hund zu bestaunen. Alle drei fuhren wir in die Eifel, um unsere Carina zu besuchen. Sie war eine der kleinsten von den neun. Das interessierte uns überhaupt nicht, und wir waren einfach hin und weg von dem Hündchen. An einem Tag im November duften wir sie abholen. Ich war so aufgeregt, dass das kleine Welpenhalsband von der Züchterin angelegt werden musste. Mein Mann fuhr die Strecke nach Hause. Hinten saßen Carina und ich. Mit ihren klugen Augen musterte sie mich eindringlich während der Fahrt. Sie lag in meinem Arm ganz warm und weich. Damit war auch schon geklärt, wer ihr Leithund wird. Das hat sie auf der ersten Heimfahrt entschieden. Daheim angekommen begann die Eingewöhnung.

Die Züchterin hatte schon einige Ratschläge für die Behandlung des jungen Hundes erteilt. Alle Dinge, die sie vorgeschlagen hatte, waren gekauft worden. Die Sicherheitsvorkehrungen waren getroffen. Das offene Treppenhaus, eine Gefahrenquelle für muntere Welpen, war gesperrt worden. Unter Anderem mit riesigen Koffern, die vor der ersten Stufe standen. Unser kleiner Hund machte von der ersten Stunde an Freude. Der Name wurde von unserem Sohn sehr schnell in „Cheri“ geändert. So riefen wir sie dann ihr ganzes Leben lang.

Für ihre Eingewöhnung nahm ich einen langen Urlaub von drei Wochen. Danach durfte sie mich zur Arbeit begleiten. Als sie 4 Monate alt war, konnte sie zu Hause bleiben. Dort war sie ja nicht allein, obwohl manchmal stundenweise doch niemand da war. Es ging sehr gut.

Wir hatten beschlossen: der Hund darf nicht ins Bett. Es wurde auch so eingehalten. Cheri hatte ihr Körbchen neben meinem Schlafplatz und verbrachte darin die Nächte. Eines Tages musste ich ins Krankenhaus. Wieder daheim erfuhr ich die neue Regelung, die mein Mann eingeführt hatte: Cheri schläft im Bett.

Es gab nicht den Ehrgeiz, mit ihr zu züchten. Das hatte auch mit der Berufstätigkeit zu tun. Es ging einfach nicht. So wurde Cheri unser geliebter Haushund. Sie war unser Traumhund. Auf Schritt und Tritt folgte sie mir. Und war der Liebling der Familie, was nicht heißen soll, dass unser jetziger Kromfohrländer, Candy, einen schlechteren Platz einnimmt. Er ist der jetzige Liebling der Familie, so ganz nach der Art der Kromfohrländer.

Viele Jahre verbrachten wir sehr glücklich mit unserer Kromfohrländer-Hündin.

Wir verloren sie durch eine zu spät erkannte Krankheit im Alter von fast 11 Jahren zu früh.
Jetzt ruht sie in unserem Garten. Der Platz ist mit einem Stein markiert, auf den ihr Name graviert ist.

Cheri ist unvergessen.

 

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